Wie Boris das Publikum in Atem hält

Video ab!“ ruft die Moderatorin, nachdem sie den Speaker angekündigt hat, und verlässt die Bühne. Ein Video? Aber der Sprecher sitzt doch schon da und ist bereit! Ich bin verwirrt und schaue mir eine ganze Minute Lobpreisungen über den Menschen an, der gleich die Bühne betreten wird. 

Dann rollt er heran. Ja, er rollt. Denn Boris Grundl sprang vor etwa 30 Jahren als 25jähriger vom Felsen ins Wasser und kam unglücklich auf. Seither ist er zu 90% gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Heute spricht er zu 150 Menschen über Verantwortung und Führung.

Ich bin neugierig –– und kritisch: jemand, der sich vor seinem Vortrag mit Video vorstellt – das finde ich schon mal merkwürdig.

Doch dann beginnt Boris Grundl zu erzählen und – ich sag’s Dir gleich – mich zu begeistern. Denn sein Vortrag und seine Botschaft sind nicht nur bewegend, sondern lassen auch mein Storytelling-Herz höher schlagen! Was ich da höre und sehe, ist wirklich großes Kino. Und das finde nicht nur ich, sondern das gesamte Publikum, das am Ende frenetischen Beifall spendet.

CC BY-SA 4.0

Spannung. Kopfkino. Begeisterung. 

Lass mich mit Dir teilen, warum Boris‘ Vortrag so gut ankam. 5 Wirkkräfte sind es, mit denen er seine Botschaft plastisch macht und das Publikums bewegt.* Diese 5 Aspekte kannst auch Du nutzen! Für Deinen Vortrag, Dein Webinar oder Deine nächste Präsentation.

  1. Die Signature-Story. Boris Grundl erzählt seine persönliche Geschichte. Mit den Höhen, vor allem aber mit den Tiefen – und was er daraus gelernt hat. Das macht die Botschaften, die er uns mitgeben will und ihn selbst absolut glaubwürdig. Er lebt, was er sagt. Er ist kongruent. Das ist die Power einer gut gefeilten Signature-Story! 

    Welche Momente in Deinem Leben kannst Du mit Deinem Publikum teilen, um Deine Botschaft mit Leben zu füllen? Welche „Aha-Moment“ hast Du erlebt? Welcher Mentor hat Dir schon zu entscheidenden Erkenntnissen geholfen?
     
  2. Direkte Rede. Boris beschreibt, wie er mit 25 Jahren in Mexiko auf einem Felsen stand und aufs Wasser tief unter ihm blickte. Wie er plötzlich eine Stimme in seinem Inneren hörte, die laut schrie: „Spring nicht! Geh zurück!“ Und wie dann eine andere Stimme in ihm meinte: „Komm schon, sei kein Feigling!“ Und so sprang er. Nach diesem Sprung würde er nie wieder auf zwei Beinen gehen können.
    Ergreifend wird der Moment durch die direkte Rede. Mit ihr macht Boris seine damaligen Gedanken für uns hörbar. Wir alle im Publikum hängen ihm – obwohl wir ja bereits wissen, dass er springen würde – an seinen Lippen.

    Nutze auch Du beim nächsten Mal die direkte Rede. Teile so Deine Gedanken und auch, wer was zu wem gesagt hat. So wird Dein Inhalt lebendig! 
     
  3. Laut – leise. Er spielt mit der Lautstärke seiner Stimme. Einmal donnernd laut, an ein paar ganz ausgewählten, wichtigen Stellen, beginnt er zu flüstern. Das wirkt! Wir alle lehnen uns nach vorne und spitzen die Ohren.

    Welche Stellen in Deiner Rede sind für Dich entscheidend? Wann soll Dein Publikum ganz besonders „Ohr“ sein?
     
  4. Rechts – links. Boris Grundl nutzt den Bühnenraum ganz bewusst. Mal rollt er nach rechts, dann nach links. Für seine Story kommt er in die Mitte. Das macht er nicht unbewusst (so wie manche Sprecher:innen, die ständig hin und her tigern). Boris strukturiert so bewusst seinen Inhalt. Auf dem Weg zur anderen Seite der Bühne schweigt er. Durch diese Stille erlaubt er uns, das bisher Gehörte zu verarbeiten.

    Wieviele Kapitel hat Deine Rede? Welcher Inhalt passt am besten nach rechts, links oder in die Mitte? An welchen Stellen sind Pausen wichtig, damit Deine Zuhörenden das Gesagte verdauen können?
     
  5. „Stellen Sie sich vor…“ Immer wieder aktiviert Boris Grundl seine Zuhörenden, indem er sie anspricht, befragt und einbindet. Indem er Situationen malt, die wir alle kennen. „Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihren Schlüssel verlegt. Sie meinen, der müsse doch auf dem Tischchen liegen. Aber da ist er nicht. Was tun Sie? Sie suchen nach einem Schuldigen! Richtig?“ Das Publikum lacht ertappt. „Wem kommt das bekannt vor?“ fragt er – und viele Hände schnellen in die Höhe.

    Welche Situationen kannst Du beschreiben, in denen sich Dein Publikum wiederfindet? Finde Fragen, mit denen Du Deine Zuhörenden aktivierst.

Durch diese 5 Wirkkräften lässt Boris Kopfkino entstehen, er berührt und bewegt sein Publikum. Welchen dieser Wirkkräfte möchtest Du bei der nächsten Gelegenheit nutzen, um Deiner Botschaft zu intensivieren und Deinen Funken überspringen zu lassen?

Wenn Du Unterstützung brauchst – z.B. bei der Entwicklung Deiner Signature-Story oder Deinem nächsten Vortrag, der begeistern soll – dann melde Dich gern bei mir.

Ein sonniger Gruß zu Dir!

Mareike

*Natürlich sind seine Inhalte auch einfach gut. Mehr zu ihnen findest Du auf seiner Website: www.grundl-institut.de

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