Lampenfieber, Fehler & ein Eis auf der Straße


Zack – da ist es passiert. Unachtsam gewesen, mit den Gedanken woanders, vielleicht ein Zusammenstoß oder das eigene Ziel so stark vor Augen, dass es kein Links und Rechts mehr gab.

Dieses „Malheur“ habe ich am vorletzten Wochenende am Hannovermarkt in Wien entdeckt. Da ist doch wirklich jemandem ein eindeutiger Fehler passiert! Das Eis war für den Mund gedacht, nicht für die Straße. Aber da liegt es nun, der Besitzer ist verschwunden. 

Und ich frage mich: Wie ist das eigentlich mit Fehlern bei mir?

Ich gestehe:

Ich wäre am liebsten fehlerlos. 

Wirklich! Ich wäre so gern perfekt! 

Wahrscheinlich, weil das heißt: unangreifbar, unantastbar. Wäre ich perfekt, dann könnte mir niemand was vorwerfen, ich würde es allen recht machen — und wäre mir der Liebe aller Menschen sicher. Du ahnst es wahrscheinlich schon: Das ist eine hinterfragenswürdige Phantasie.

Und vor allem: Unmöglich!

Denn wir Menschen sind nun mal fehlerhaft!

Lass mich Dir dazu eine Geschichte erzählen:


Yo-Yo Ma
 und die Menschlichkeit. 

Kennst Du den chinesischen Cellisten? Schon als Kind ein Wunderknabe auf dem Cello. Hat stundenlang pro Tag geübt. Füllte große Konzerthallen, feierte große Erfolge.

Bis für ihn mit Anfang zwanzig der Druck zu groß wurde. Yo-Yo Ma hatte eine Krise, konnte und wollte nicht mehr auftreten. All diese Menschen, die höchste Virtuosität und Perfektion von ihm fordern, machten ihm Angst. Der Druck vor den Auftritten war zu groß geworden. 

Nach einiger Zeit der Stille und des Rückzugs kam er zurück auf die Bühnen der Welt. 

Wie hatte er das geschafft? 

Der Wendepunkt – Ein Lächeln für den Fehler

Yo-Yo Ma erlaubte sich, fehlerhaft zu sein! Er änderte seine eigene Reaktion. Wenn ihm früher ein Lauf nicht perfekt gelang, beschimpfte er sich innerlich als Versager, zuckte zusammen, wurde im Körper fest und angespannt (was sein Spiel natürlich nicht gerade besser machte). Nun begann er, sich bei Fehlern zuzulächeln mit dem Gedanken: „Ein Fehler! Wunderbar! Das zeigt, dass ich ein Mensch bin.“ 

Wie wir auf unsere Fehler reagieren und dann mit uns selbst umgehen – das macht einen entscheidenden Unterschied. Vor allem auch bei seinem Thema: Lampenfieber! 

Und es gab noch eine zweite mentale Strategie, die er nutze, um wieder auftreten zu können. 

Kochen für Freunde – im Konzertsaal

Das Publikum in den großen Konzerthallen hatte ihm immer mehr Angst gemacht, es wirkte bedrohlich. Seine Freude am Auftreten war nach und nach verschwunden. Nun fragte er sich: Wann genieße ich es eigentlich, mit Menschen beisammen zu sein? Wann machen mit Menschengruppen keine Angst? Seine Antwort: Wenn ich für Freunde koche!

Und seither – wenn er sich backstage auf den Auftritt vorbereitet – stellt er sich vor, dass draußen seine Freunde auf ihn warten und er für sie kocht. Diese Vorstellung weckt Freude in ihm, Gelassenheit und Ruhe – und damit geht er dann auf die Bühne. Die Menschen, die ihm lauschen, sieht er nun als seine Freunde.

Solche mentalen Vorstellungen sind – neben vielen anderen Techniken – hilfreich, um mit Lampenfieber konstruktiv umzugehen und die Freude am Auftreten zu wecken.

Und Du?

Wünschst du dir mehr Souveränität und Sicherheit bei deinen Präsentationen?
Leidest du manchmal unter Lampenfieber – und wünschst dir mehr Leichtigkeit und Freude?

Hier findest Du ein Video mit einer hilfreichen Übungen bei Lampenfieber.

Und wenn Du nachhaltig bei Präsentationen Souveränität und Sicherheit entwickeln möchtest, dann unterstütze ich Dich gern mit einem 1:1 Lampenfieber-Coaching. Wir finden heraus, was Du brauchst, um mit Freude vor anderen zu sprechen!

Das könnte Dich auch interessieren

Wie geht guter Abschied?

Wie geht guter Abschied?

Wie äußert sich Arbeitssucht? Worauf können wir achten – bei uns selbst und bei Kolleg:innen?
Ein Gespräch mit Dr. Oliver Scheibenbogen über Selbstfürsorge und Resilienz, über Burnout-Prävention und die Verantwortung von Führungskräften für eine gesunde Arbeitskultur.

mehr lesen
Gute Kommunikation in Zeiten von Veränderung

Gute Kommunikation in Zeiten von Veränderung

Wie können Führungskräfte und Teamleader in Zeiten von Veränderung so kommunizieren, dass Menschen sich abgeholt fühlen? Dass Kommunikation gelingen kann? Diese und andere Fragen beleuchten Jan Kretzschmar und ich in dieser Podcast-Folge.

mehr lesen
Arbeitssucht – wenn Arbeiten zu wichtig wird.

Arbeitssucht – wenn Arbeiten zu wichtig wird.

Wie äußert sich Arbeitssucht? Worauf können wir achten – bei uns selbst und bei Kolleg:innen?
Ein Gespräch mit Dr. Oliver Scheibenbogen über Selbstfürsorge und Resilienz, über Burnout-Prävention und die Verantwortung von Führungskräften für eine gesunde Arbeitskultur.

mehr lesen
>