Wie Geschichten unsere Identität formen

„Wer bist du – und was kannst du gut?“
Wenn mir jemand diese Frage stellen würde, würde ich vermutlich antworten: Ich bin ein Mensch, der gut zuhören kann.

Das sage ich nicht einfach so. Es gibt Erinnerungen, Momente, Stimmen, die diese Geschichte genährt haben:
Eine Freundin, die einmal meinte, sie würde meine Präsenz in Gesprächen sehr schätzen.
Ein Telefonat mit einem Freund, der sich am Ende bedankte – er hatte eine Lösung für sein Problem gefunden, ohne dass ich viel gesagt hätte. Ich hatte einfach zugehört.
Und da sind noch ein paar solcher Szenen.

Diese Erinnerungen sind wie kleine Glanzlichter in meinem Inneren.
Ich habe ihnen Bedeutung gegeben. Sie wurden zu Geschichten. Und irgendwann zu einem Teil meiner Identität: Mareike kann gut zuhören.

Doch unser Leben besteht aus unzähligen Momenten.
Und natürlich gab es auch viele, in denen ich nicht aufmerksam zugehört habe – in denen meine Gedanken abschweiften (zum Beispiel Richtung Schokolade) oder ich mein Gegenüber unterbrochen habe. Diese Episoden? Die übersehe ich gern.
Oft sogar unbewusst.
Denn sie passen nicht zu der Geschichte, die ich mir über mich selbst erzähle.

Geschichten formen unsere Identität

Das Problem ist: Wenn wir nur auf die Momente achten, die zur erzählten Identität passen, laufen wir mit Scheuklappen durchs Leben.
Manchmal erzählen wir uns Geschichten, die uns klein halten. Geschichten, die uns nicht dienen. Geschichten, die uns im Weg stehen.

Hinderliche Geschichten

Vor einigen Wochen kam – nennen wir ihn – Klaus zu mir.
Er wünschte sich, sicherer vor anderen sprechen zu können.
Doch in seinem inneren Ohr lief ein hartnäckiges Band: Ich kann nicht gut vor anderen sprechen.

Diese Geschichte stammte aus seiner Schulzeit. Aus einem unangenehmen Referat. Aus einem Blackout im Studium.
Situationen, in denen er sich unwohl fühlte – und die sich wie Beweise in seinem inneren Archiv sammelten.
So wurde aus ein paar Erlebnissen eine feste Erzählung. Und diese hinderte ihn daran, Neues auszuprobieren.

Hilfreiche Geschichten entwickeln

Zum Glück besteht unser Leben aus unzähligen Momenten.
Klaus und ich machten uns gemeinsam auf die Suche nach Ausnahmen – nach Lichtblicken.
Bald erinnerte er sich: an entspannte Gespräche mit Freunden, an ein Geburtstagsständchen für die Familie, bei dem alle gespannt zuhörten.
Sogar eine gelungene Rede bei einer Vernissage tauchte wieder auf.

Langsam begann seine hinderliche Geschichte, sich zu verflüssigen.
Ich durfte ihn begleiten, neue Erfahrungen zu sammeln: eine mutige Wortmeldung hier, eine kurze Anmoderation da…
Aus diesen Erlebnissen entsteht nun eine neue Geschichte.
Vielleicht wird Klaus sie sich bald so erzählen: Ich kann vor anderen sprechen. Und manchmal macht es mir sogar richtig Spaß!

Welche Geschichten erzählst du dir über dich?

Wir alle sind die Sammlung der Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählen.
Und das Beste daran: Diese Geschichten sind nicht in Stein gemeißelt.
Wir können sie weiterentwickeln. Umschreiben. Neu erzählen.

Also frage dich:
Welche Geschichte über dich ist hilfreich? Und welche steht dir im Weg?
Was möchtest du beibehalten – und was möchtest du verwandeln?

Wenn du Lust hast, deine eigene Geschichte zu erforschen, neu zu betrachten oder sogar umzuschreiben: Ich begleite dich gern dabei.
In meinen Workshops und Coachings arbeiten wir genau damit – mit deinen Erzählungen, deinen inneren Stimmen, deinen Möglichkeitsräumen.

Melde dich, wenn du bereit bist, ein neues Kapitel aufzuschlagen. 😊

Herzliche Grüße
Mareike


PS:
Wie wichtig es ist, nicht nur eine einzige Geschichte über sich oder andere zu glauben, zeigt die Autorin Chimamanda Ngozi Adichie eindrücklich in ihrem TED-Talk „The Danger of a Single Story“.
Ein Plädoyer für Vielfalt – auch in uns selbst.

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