Personal Storytelling – Wie werden aus Erinnerungen Geschichten, die auch andere gern hören?

Sommer – für mich ist das die Zeit der Fülle, des Genießens, des Auslassens.

Zeit, an der Donau zu liegen und zu lesen. Zeit für Reisen, Müßiggang. Zeit für Erfahrungen, die später zu Geschichten werden. Und daraus ergibt sich eine wunderbare Möglichkeit, das eigene Storytelling zu üben.

Wie werden aus Erinnerungen Geschichten, die auch andere gern hören?

Hier mein Rezept für spannendes Personal Storytelling:

Erzähl nicht lang und breit, wann du wo warst und was Du dann wo und wann gemacht hast. Also keine Liste oder Aufzählung. Erzähle stattdessen von konkreten Momenten, die für Dich besonders waren.



Die findest Du durch Fragen. Z.B. Wenn du auf Deinen bisherigen Sommer zurückblickst, welche Momente stechen für Dich heraus?
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Hier zwei meiner besonderen und gleichzeitig sehr unterschiedlichen Momente.


Abano bei Venedig. Zum 4ten Mal bin ich im Sommer hier und nehme an einer Fortbildung teil. Es ist der dritte Kurstag. Mittagspause. Ich tauche ins Thermenwasser ein (ja, dort gibt es heiße Quellen – und absurder Weise hab ich die Wärme des Wassers trotz der Hitze draußen genossen), tauche wieder auf und erspähe am anderen Beckenrand Alfred aus meinem Kurs.

Ein großer Mann, wohl Ende 50. Ich hatte noch nicht viel mit ihm zu tun gehabt im Kurs, ihn aber als sehr in sich ruhend erlebt. 
Ich schwimme zu ihm.

„Wie geht’s Dir?“ frage ich ihn. „Heute ist ein herausfordernder Tag für mich,“ meint Alfred. Dann erzählt er, dass er das schon von sich kennt: Am 3. Tag in einer Gruppe kommen plötzlich Zweifel in ihm hoch. Gehöre ich eigentlich dazu? fragt er sich dann. Er zieht sich zurück, fühlt sich allein. „Diese Momente ziehen sich durch mein Leben. Aber ich nehme sie immer bewusster wahr und weiß auch: Die Einsamkeit geht wieder vorbei.“


Ich bin berührt, weil ich diese Gedanken auch sehr gut kenne. Ich teile meine ähnlichen Erfahrungen und danke ihm für seine Offenheit. Später ist es genau dieser Moment, der uns einander immer mal wieder wissend zulächeln lässt.


Am Bahnhof in Kärnten. Franz – ein lieber Freund, den ich seit über 20 Jahren kenne – holt mich mit seinem Oltimer ab (für Menschen, die sich damit auskennen: Es ist ein Triumph TR6 aus dem Jahr 1968. Mit offenem Verdeck.).

Wir steigen ein, ich stecke mein Handy an die Anlage und spiele DJane. Und dann sausen wir durch die Landschaft. Ich spür den Wind, die Sonne auf der Haut. Wir tanzen zu den Beats… und da ist diese genüssliche Leichtigkeit, die mich durchpulst. Und ich denke: Das ist Glück!

Teile am Ende der Erzählung Deine Erkennis. Dein Learning.

Jetzt lässt sich natürlich noch lang und breit an diesen Momenten feilen. Ein Tipp, der viel ausmacht: Teile am Ende der Erzählung Deine Erkenntnis, Dein Learning.

Das macht die Geschichte nicht nur für die Zuhörenden rund, sondern bringt ja auch für Dich auf den Punkt, was der Moment für Dich bedeutet hat. Frage Dich: Was habe ich daraus gelernt? Mal angenommen, da gäbe es eine Botschaft für mich in der Erfahrung – welche wäre das?

Wenn ich auf den ersten Moment in Abano schaue, dann kann ich daraus für mich einiges mitnehmen:
– Welch Geschenk es ist, „Verletzliches“ mit einander zu teilen. Daraus kann Verbindung entstehen.
– Wenn ich mich selbst mal wieder frage, ob ich dazu gehöre, kann ich mich erinnern: auch andere kennen das Gefühl, auch wenn ich es ihnen gar nicht ansehe.
– Dass ich öfter Menschen fragen sollte: Wie geht es Dir?

Der zweite Moment sagt mir:
– Langjährige Freundschafen sind ein Schatz. Schau gut auf sie, Mareike.
– Genieße den Moment: Musik, Luft, mit einander lachen.
– Ortswechsel tun Dir gut, Mareike.

So ein Learning dranzuhängen – das ist wie das I-Tüpfelchen einer Geschichte. Gibt ihr und dem Zuhörer ein befriedigendes, rundes Ende. Besonders ist dies übrigens der Fall, wenn es schwierige, herausfordernde Momente waren. Da zeigt die Erkenntnis zum Schluss: Die Erfahrung war für etwas gut!

Noch ein Zusatz, der Deine Resilienz stärkt

Wenn Deine Momente, wie in meinem Fall, Momente der Freude waren, verweist das darauf, dass ein oder mehrere Deiner Werte erfüllt wurden.

Du kannst davon ausgehen: immer, wenn Du Dich freust, wurde ein Wert von Dir erfüllt. Viele Studien (z.B. von Creswell et al. (2005) und Cohen & Sherman (2014)) haben gezeigt, dass das Bewusstsein für die eigenen Werte Menschen hilft, in herausfordernden Situationen souverän zu bleiben und die eigene Integrität zu schützen. 


Frage Dich: Welche meiner Werte wurden in den freudvollen Momenten erfüllt?


Bei mir waren es in Abano die Werte Ehrlichkeit und Verbundenheit und in Kärnten die Werte Vergnügen und Freundschaft.

Nun bist Du dran!

  1. Was waren bisher Deine besonderen Momente in diesem Sommer?
  2. Und welche wirst Du Dir noch kreieren?

Habs gut und sonnige Grüße zu Dir von 
Mareike

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