Bevor Gespräche kippen

Neulich im Workshop stellte ein Teilnehmer – nenne wir ihn Hans – eine spannende Frage: 
„Bei manchen Gesprächen werde ich immer lauter. Ich bekomme das anfangs gar nicht richtig mit – nur plötzlich merke ich: Moment, warum spreche ich so laut? Wie kann ich das verhindern?“

Ich hatte eine Vermutung und fragte ihn: „Könnte es sein, dass das vor allem in Gesprächen passiert, in denen es um Meinungsunterschiede und Vorwürfe geht? In Konflikten?“ 
„Ja, das stimmt.“
Dazu fiel mir eine Geschichte ein, das diese Frage auf „märchenhafte“ Weise beantwortet. Wenn Du sie Dir anhören möchtest, dann klick auf das Bild.
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Ich kenne solche Momente auch – und Du? Man fühlt sich angegriffen, möchte die eigene Sicht als richtig darstellen, den anderen wiederlegen. Das Herz klopft, die Stimme wird laut. Dem anderen geht es übrigens meist ähnlich. Ein Wort gibt das andere – und schon sind wir mitten im Streit.
Jetzt konstruktive Lösungen finden? Fast unmöglich! 

Was machst Du in solchen Momenten? Was hat sich für Dich bewährt?


Ich finde Folgendes hilfreich: Eine Unterscheidung des Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun


(Von ihm gibt es übrigens sowieso sehr vieles zu lernen! Sein Werte- und Entwicklungsquadrat zum Beispiel ist ein Modell, das mich sehr geprägt hat. In dieser Podcast-Folge bringen wir es Dir näher.)



Friedemann unterscheidet in Gesprächen 3 Ebenen: 
Verstehen. Verständnis. Einverstanden sein.

Er sagt: Erstmal geht es darum, den anderen zu verstehen.Kann ich logisch nachvollziehen, was er sagt?

Habe ich mein Gegenüber verstanden, kann ich auf die Dinge aus ihrer oder seiner Perspektive schauen. Ich stehe – wie es ein Sprichwort sagt – in ihren/seinen Mokassins.

Nun kann ich mich fragen: Habe ich Verständnis? Sowas wie: Ja, ich verstehe, dass Du die Situation so erlebt hast. Ich habe Verständnis für Deine Reaktion.

Verständnis zu haben, bedeutet allerdings nicht unbedingt, einverstanden zu sein. Das ist nämlich die 3. Ebene. 

So kann ich verstehen, dass jemand, der einen anstrengenden Tag hatte, bei einer Unstimmigkeit schnell genervt reagiert. Dafür habe ich Verständnis. Ich kann es nachfühlen. Gleichzeitig bin ich nicht einverstanden, dass derjenige seine schlechte Laune an mir auslässt. 

Im ersten Moment, so Friedemann Schulz von Thun, habe ich also nichts anderes zu tun, als den anderen erstmal zu verstehen. Zuhören und verstehen bedeutet nicht, einverstanden zu sein. 

Diese Unterscheidung hilft mir, Situationen mit Konflikt- und „Schrei-Potenzial“ zu entschärfen und ruhiger und friedlicher zu lösen. Hans meint, dass er das beim nächsten Mal ausprobieren wird.
Und Du?

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