Was macht einen Vortrag berührend? 5 Impulse aus der Musik fürs Präsentieren

Vor mir eine grüne Wiese. Im Hintergrund Hügel und Berge.
Statt Kuhglocken ist jetzt allerdings lebhaftes Geschnatter zu hören – von Menschen in Abendrobe. Denn gleich beginnt das Konzert!

Die Winterreise von Franz Schubert – gesungen von der Mezzosopranistin Sophie Rennert.

Es ist das letzte von sechs Konzerten, die ich zusammen mit meiner Mutter in diesen Tagen gehört habe. Wir befinden uns auf den Spuren meiner Großmutter in Vorarlberg. Jedes Jahr fuhr sie nach Schwarzenberg zur Schubertiade – zu Liederabenden und Kammermusik mit berühmten Musiker ihrer Zeit.

Die Leistung der Künstler hat mich beeindruckt, die Werke von Schubert, Brahms, Schostakowitsch und anderen fand ich grandios. Und dennoch: Nicht jedes Stück, nicht jede Musiker hat mich berührt. An manchen Stellen kamen mir fast die Tränen, an anderen habe ich nur innerlich genickt und gedacht: „Der hat viel geübt.“

Woran liegt der Unterschied?

Was braucht es, damit wir von einer Darbietung wirklich berührt und ergriffen werden? Und was lässt sich daraus fürs Präsentieren, Vortragen und Sprechen vor Publikum lernen?

Lass mich mit Dir teilen, was ich entdeckt habe – und wovon ich glaube, dass es auch für Dich spannend sein könnte.

Der Wiedererkennungsbonus

In Stücke, die ich bereits kannte, konnte ich viel tiefer eintauchen. Und da ist diese Wiedererkennungsfreude.

Kennst Du das? Im Radio beginnt ein neues Lied – und schon nach den ersten Tönen denkst Du: „Das kenn ich!“ Und Du freust Dich, weil es sich wie ein Wiedersehen mit einem lieben Bekannten anfühlt.

Fürs Präsentieren bedeutet das: Lass Dein Publikum an eigenen Erfahrungen und am eigenen (Vor-)Wissen andocken.

Spannung halten – auch in der Pause

Das Klaviertrio in c-Moll op. 101 von Johannes Brahms rollt langsam seinem furiosen Ende entgegen. Die Musik wird wilder. Die Hände der Geigerin und der Cellistin sausen über den Steg, ihre Bögen springen hin und her, der Pianist donnert in die Tasten.

Dann der letzte Lauf, der letzte Akkord. Verklingt.

Doch die drei sind noch ganz gespannt, lauschen den Tönen nach. Es vergehen mehrere Sekunden in Stille. Dann erst lächeln sie sich an, ihre Körper werden weicher. Und nun beginnt der tosende Applaus des Publikums.

Diese Momente des Übergangs finde ich ganz besonders. Halten die Musiker die Spannung? Und wie gehen sie miteinander um?

Wenn es ein Miteinander gibt, eine gemeinsame Freude an der Musik und am Können des anderen – dann springt der Funke über.

Fürs Präsentieren und Vortragen bedeutet das zweierlei:

Erstens: Pausen, Pausen, Pausen!

Und zwar gespannte Pausen! Wenn Du ein Kapitel oder einen wichtigen Gedanken abschließt, warte ein paar Momente ab, damit das Gesagte in die Köpfe Deiner Zuhörer einsinken kann.

Zweitens: Wertschätzung.

Wertschätzung für andere, die mit Dir präsentieren. Und natürlich ganz besonders für das Publikum.

Ein anderer Begriff dafür ist „Wärme“ – einer der drei Faktoren von Charisma laut Charisma-Expertin Olivia Fox Cabane.

Wenn ich aufgeregt und nervös bin, entscheide ich mich übrigens ganz bewusst, mein Publikum lieb zu haben. Denn wenn ich mein Publikum mag, wird gleich alles leichter.

Probier’s mal aus!

Du musst nicht alle berühren

Es ließe sich noch so viel mehr über die Gemeinsamkeiten zwischen einer berührenden musikalischen Darbietung und einem bewegenden Vortrag sagen. Vielleicht greife ich diesen Faden in einer anderen Funken-Post noch einmal auf.

Ein letzter Punkt ist mir jedoch wichtig:

Geschmäcker sind verschieden.

So viele Personen im Publikum sitzen, so viele erlebte Wirklichkeiten gibt es auch. Wir können es nie für alle perfekt passend machen.

Das zu wissen ist erleichternd, oder? 😉

Am Ende des Konzerts

Zurück zur Winterreise – einem Liederzyklus, der die Geschichte eines Menschen erzählt, der Liebeskummer, Verzweiflung und Todessehnsucht erlebt.

Die letzten Töne sind verklungen. Es dauert eine Weile, bis wir alle – die Sängerin, die Pianistin und das Publikum – aus der gemeinsamen Reise in den Konzertsaal zurückgekehrt sind.

Die ersten Klatscher sind noch zaghaft, dann steigert sich der Applaus und am Ende gibt es sogar Standing Ovations.

Mein Sitznachbar spricht aus, was ich fühle:

„Ich bin noch ganz mitgenommen … und kann es gar nicht richtig in Worte fassen.“

Ja, manchmal passiert das.

Dankbar und erfüllt gehen meine Mutter und ich in die Nacht hinaus.

„Wenn ein Konzert so tief geht, ist es – bei allem Können – auch Gnade“, meint sie später zu mir.

Ich wünsche Dir viele solcher berührenden Momente – in Konzerten und vor allem dann, wenn Du Deine Botschaften zu Gehör bringst!

Liebe Grüße zu Dir

Mareike

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